Anforderungen an Unternehmensberater – Hard Facts und Soft Skills, aber auch die Attitüde zählen

Consulting Unternehmen haben hohe Ansprüche an Bewerber. Das ist allseits bekannt. Aber warum genau die Unternehmen bestimmte Dinge erwarten, und was sich tatsächlich dahinter verbirgt, ist manchmal nicht ganz klar. Falls Dir zu Begriffen wie Flexibilität und unternehmerischem Handeln vielleicht auch nicht gleich eine umfassende Definition einfällt, bist Du nicht allein. An dieser Stelle möchten wir Dir einige Erläuterungen zu den wichtigsten Anforderungen an Unternehmensberater, und damit Voraussetzungen für den Eintritt ins Consulting, geben.

 

Einige Voraussetzungen für den Einstieg ins Beraterleben unterscheiden sich kaum von denen anderer Branchen

 

Ein Teil der Anforderungen an Unternehmensberater unterscheiden sich dabei tatsächlich kaum von den Anforderungen an Jobs in anderen Bereichen.

Das erwarten Beratungsunternehmen von ihren Kandidaten als erstes

Ein sehr guter akademischer Abschluss

Dies ist die Grundvoraussetzung. Das Studienfach selbst ist für viele Unternehmen dabei zweitrangig, da es zum einen um den Nachweis geht, dass man über mehrere Jahre hinweg Ehrgeiz gezeigt hat und auch geistig in der Lage war, sehr gute Leistungen zu erbringen. Ein wirtschaftswissenschaftlicher Hintergrund ist sicher nicht verkehrt, aber eben kein Muss, solange es das Unternehmen nicht explizit fordert.

Gute Schulnoten

Sie sind häufig, insbesondere bei Einstiegspositionen bei den Top-Beratungen, ebenso wichtig. Wer schon ein sehr gutes Abitur hatte und auch später einen guten Universitätsabschluss vorzuweisen hat, zeigt, dass Leistungswille zur Grundeinstellung gehört.

Praktika oder Werkstudententätigkeit

Sie zeigen den Beratungsunternehmen, dass man sich während des Studiums nicht ausschließlich mit der Theorie beschäftigt hat. Der Bewerber beweist damit, dass er sich aus Eigeninteresse schon einmal mit einem oder mehreren Berufsbildern auseinandergesetzt hat. Praktika dienen u. a. dazu, herauszufinden, ob einem ein Job liegt bzw. man sich vorstellen kann, diesem längerfristig nachzugehen. Und da die meisten Management Consultants in der Regel keine 40-Stunden-Woche haben, ist es hilfreich, wenn man schon einmal ein Praktikum in einer Investmentbank oder einem Consulting Unternehmen gemacht hat. Zu glauben, man könne eine 50- oder 60-Stunden-Woche über einen längeren Zeitraum hinweg problemlos meistern, ist nämlich noch etwas ganz anderes, als solche Arbeitswochen tatsächlich erlebt zu haben.

Gute Sprachkenntnisse

Vor allem Englisch ist in den meisten Branchen ein Muss. Aber auch die deutsche Sprache sollte man beherrschen. Als Berater kommuniziert man in der Regel tagtäglich mit dem Kunden. Damit man die Probleme des Kunden versteht und ihm bei der Lösungsfindung helfen kann, muss man mit ihm kommunizieren können. Sind zwar die Ideen und Konzepte gut, jedoch keine gemeinsame Sprache verfügbar, kann man den Kunden nur sehr schwer bei der Lösung seiner Probleme helfen.

Internationale Erfahrungen

Hierzu zählen beispielsweise Auslandssemester, Praktika im Ausland oder andere Auslandsaufenthalte, bei denen es sich nicht um Urlaub handelt. Sie sind mehr als ein Nice-to-have. Die meisten Großkonzerne, und somit auch die Kunden von Beratungsunternehmen, sind international aufgestellt. Damit geht einher, dass man auch regelmäßig bei seinen Kunden in internationalen Projektteams arbeitet. Wer einmal längere Zeit im Ausland verbracht hat, entwickelt in der Regel ein besseres Verständnis darüber, was beispielsweise interkulturelle Differenzen tatsächlich bedeuten und wie man sinnvollerweise damit umgeht. Da schließlich auch Beratungsunternehmen oft international aufgestellt sind, gilt im Umgang mit den eigenen Kollegen selbstverständlich dasselbe.

 

Wer die Grundvoraussetzungen erfüllt, ist noch lange nicht am Ziel angelangt. Die Anforderungen an Einstellung und Softskills sind mindestens genauso wichtig bei der Entscheidung für oder gegen einen Bewerber

Die richtige Arbeitseinstellung und gute Softskills sind genauso wichtige Anforderungen an Unternehmensberater

Flexibilität

Flexibilität ist ein Charakteristikum, das im Consulting sehr vielseitig anwendbar ist. Man muss sich beispielsweise in Projekten immer wieder auf neue Situationen einstellen können. Heute arbeitet man an Konzept A, morgen übergibt man es auf halbem Wege dem Kollegen, damit man das noch wichtigere Konzept B auf den Weg bringen kann. Auch die räumliche Flexibilität sollte kein Problem darstellen. Es kann durchaus passieren, dass man beispielsweise für einen sechsmonatigen Projekteinsatz in Köln vorgesehen war. Nach 4 Wochen hat man sich dem neuen Rhythmus im Zusammenhang mit der Anreise, dem Hotel oder dem Kunden angepasst und am Nachmittag teilt einem der zuständige Partner mit, dass man ab dem folgenden Tag für 3 Monate in Zürich arbeiten wird. Neben erneuter Anreise, das Einspielen auf den Kunden und sonstigen Anstrengungen, muss man sich auch auf ein neues Team einstellen. Selbst wenn man selbst nicht versetzt wird, kann es sein, dass der Projektleiter wechselt oder ein neuer Consultant an Bord kommt. Ohne die Fähigkeit zur Flexibilität, stünde man hier sonst hilflos da bzw. wäre überfordert. Flexible Arbeitszeiten sind dabei ein weiteres Schlagwort. Der Feierabend war zum Beispiel ausnahmsweise mal für 18h geplant, der Tisch im Restaurant für den Abend reserviert. Um 17:30 kommt der Projektleiter aus dem Termin mit dem Kunden. Bis zum nächsten Morgen um 8 Uhr muss eine Präsentation erstellt werden. Der Arbeitstag wird nicht vor Mitternacht enden.

Wer damit oder mit anderen spontanen Änderungen im Berufsalltag Schwierigkeiten hat, sollte sich durchaus überlegen, ob er bereit für den Beraterjob ist. Zwar müssen die Änderungen nicht so gravierend sein, wie hier beschrieben, aber es ist davon auszugehen, dass man sein Leben vor und nach der Arbeit viel mehr dem Job anpassen muss, als dies in anderen Branchen der Fall ist.

Einsatzbereitschaft

Sie wird nicht nur vom Arbeitgeber, sondern auch vom Auftraggeber vorausgesetzt. Der Kunde erwartet, dass der Berater alles gibt um ihm möglichst schnell und effizient bei der Lösung seiner Herausforderungen zu helfen. Genau hierfür engagiert er nämlich einen Berater. Und deshalb erwartet ein Beratungsunternehmen auch von seinen Mitarbeitern, dass sie alles daran setzen, die Herausforderungen des Kunden zu lösen. So kann es vorkommen, dass man anstatt der Mittagspause mit den Kollegen noch schnell eine Präsentation fertigstellt, oder dass man auch nach dem Verlassen des Büros mit dem Kunden am Telefon die wichtigsten Punkte des kommenden Tages durchgeht. Auch hier gilt – wer es lieber etwas ruhiger angehen lassen möchte, sollte zumindest im Interview ganz deutlich klären, was die Anforderungen an ihn als Unternehmensberater in diesem Unternehmen sind, damit am Ende keine Seite enttäuscht ist.

Teamfähigkeit

Insbesondere in der Beratung bedeutet Teamfähigkeit weitaus mehr, als mit den Kollegen in einem Büro zu sitzen. Oft arbeiten z. B. mehrere Berater gemeinsam an einer Präsentation. Jeder muss bestimmte Inhalte liefern und es gibt eine enge Deadline. Hier gilt es, an einem Strang zu ziehen. Man muss dafür sorgen, dass man seine eigenen Aufgaben schafft. Wenn man jedoch mit diesen fertig ist, ist es wichtig bei Bedarf an den Aufgaben des Kollegen mitzuarbeiten, um das Team am Ende zum Gesamtergebnis zu führen. Mit der Einstellung „mein Teil ist erledigt, ich gehe jetzt nach Hause“ ist man in der Beratung definitiv fehl am Platz. Dasselbe gilt auch dann, wenn man nicht unbedingt an derselben Präsentation arbeitet. Sich abends in den Feierabend zu verabschieden, während der andere Kollege für seine Tätigkeiten eine Nachtschicht einplanen muss, ist in der Regel nicht gerne gesehen. Auf der anderen Seite bedeutet dies aber eben auch, dass man sich darauf verlassen können sollte, dass die Kollegen einem zur Seite stehen, wenn man selbst einmal den Schreibtisch voll hat und kein Land mehr sieht. Und spätestens dann weiß man dann auch, warum es gut war, in der Vorwoche selbst für andere die Ärmel hoch gekrempelt zu haben.

Analytisches Denken

Analytisches Denken heißt unter anderem die Fähigkeit zu haben, Dinge von vorne bis hinten zu durchdenken. Einem Problem bis auf den Grund zu folgen und eine adäquate Lösung zu finden. Komplexe Zusammenhänge in seine kleinsten Elemente aufzubrechen und sie so zu begreifen. Genau deshalb ist es wichtig, dass ein Berater diese Fähigkeiten mitbringt. Denn auch hierbei gilt: Das ist eine der Eigenschaften, für die der Kunde explizit einen Berater engagiert.

Unternehmerisches Denken und Handeln

Unternehmerisches Denken und Handeln wird zwar sehr oft von Bewerbern gefordert, die meisten Absolventen, aber auch viele (Young) Professionals, können sich jedoch keinen wirklichen Reim darauf bilden. Und vielleicht auch aus gutem Grund. Weil viele noch nie Unternehmer waren. Wir versuchen es an dieser Stelle mit einer einfachen Definition: Wenn von Dir erwartet wird, dass Du „unternehmerisch denkst und handelst“, heißt das, Du solltest so denken und handeln, als sei das Unternehmen Dein eigenes. Klingt trivial, ist es aber nicht. Denn der Unternehmer muss immer das Gesamtwohl des Unternehmens im Auge behalten. Hier gilt es, keine Ressourcen (Geld, Zeit, Mitarbeiter) zu verschwenden. Oder sich genau auf die Aufgaben zu konzentrieren, die für den langfristigen Unternehmenserfolg wichtig sind. Und das bei vollem eigenem Einsatz. Unternehmerisches Denken ist als Berater übrigens zweifach anzuwenden – in der eigenen Firma als auch beim Kunden.

Kommunikationsstärke

Hier geht es darum, zum Beispiel einen eigenen Standpunkt aufzubauen und diesen zu vertreten. Klar und eindeutig zu kommunizieren, sodass Kunden und Kollegen einen verstehen. Die Fähigkeit, Dinge zu hinterfragen, jedoch sich trotzdem zurückhalten zu können, auch wenn nicht das umgesetzt wird, was man selbst für das Beste hält.

All das wird ergänzt durch eine adäquate Kommunikationsform – mit dem Team und vor allem auch mit dem Kunden. Höflichkeit, Freundlichkeit und eine grundsätzlich positive Kommunikationsweise sind das A und O eines jeden Consultants.

Es muss nicht alles von Anfang an perfekt sein

Natürlich muss man nicht in allem perfekt sein, wenn man als Consultant anfängt. Viele der beschriebenen Eigenschaften lernt man im Laufe seiner beruflichen Laufbahn oder verfestigt sie im Laufe der Zeit immer mehr. Sind die Grundvoraussetzungen gegeben und kann man die weiteren Softskills auch in jungen Jahren schon durchschimmern lassen, hat man gute Karten von einem erfolgreichen Beratungsunternehmen eingestellt zu werden bzw. in einem solchen Karriere zu machen. Die Anforderungen an Unternehmensberater sind hoch, aber mit der richtigen Einstellung sind sie auch nicht unerreichbar.

 

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