Inhouse Consulting vs. externe Beratung – von den Präferenzen hängt es ab

Der Unternehmensberater als Experte von außen ist schon lange nicht mehr die einzige Option für Unternehmen, sich Unterstützung bei der Selbstoptimierung einzuholen. Über die Jahre haben mehr und mehr große Unternehmen sich dafür entschieden, eigene Inhouse Consulting Einheiten aufzubauen und so den Wandel des Unternehmens zu einem größeren Anteil von innen heraus zu gestalten. Die Gründe dafür sind vielseitig.In jedem Fall sind sie als gleichwertige Option zur externen Beratung zu betrachten. Inhouse Consulting vs. externe Beratung ist somit eine Frage, die man sich vor dem Einstieg oder Wechsel in die Beratung beantworten sollte.

 

Warum gibt es überhaupt Inhouse Consulting Unternehmen?

Die Grundidee des Inhouse Consultings ist, dass die Beratung eines Unternehmens nicht ausschließlich von außen und zeitlich begrenzt geleistet wird, sondern das Unternehmen auch auf eigene festangestellte Mitarbeiter setzt. Für das Unternehmen gibt es zahlreiche Gründe die Beratung auf diesem Weg in Anspruch zu nehmen: Das Knowhow bleibt innerhalb der eigenen vier Wände, es ist insgesamt kostengünstiger und leichter umzusetzen, da die Beauftragung in der Regel meist weniger Aufwand bedarf und schlussendlich ist es auch eine Chance einen eigenen Pool gut ausgebildeter Nachwuchsführungskräfte aufzubauen. Das Inhouse Consulting kann eine eigene Abteilung innerhalb des Konzerngefüges sein oder eine separate GmbH. Die Entscheidungsgründe hierfür sind meist administrativer Natur.

Manche Inhouse Consulting Unternehmen beraten lediglich die Muttergesellschaft und/oder zusätzlich die Tochtergesellschaften, in anderen Fällen fungieren sie auch gleichzeitig als externe Berater für andere Unternehmen. Bei Letzteren ist der Übergang zur reinen externen Beratung fließend.

Die Gemeinsamkeiten beider Beratungsformen überwiegen.

Ähnlich, aber doch anders

Es gibt zahlreiche Gemeinsamkeiten zwischen Inhouse Consulting und externer Beratung, allerdings auch einige große Unterschiede. Die Arbeitsinhalte von internen und externen Beratern sind weitestgehend gleich, wobei der Fokus der Inhouse Consultants häufig auf den Tätigkeitsfeldern Strategie, sowie Prozesse & Organisation liegt. Auch das Arbeitspensum unterscheidet sich nicht – beide Arten von Beratern müssen mit den ungefähr gleichen Arbeitszeiten rechnen. Aufgrund der ähnlichen Arbeitsinhalte unterscheiden sich auch die Bewerbungsverfahren nicht wesentlich voneinander, d. h. es gibt in beiden Fällen die üblichen (Case-) Interviews, Tests sowie mehrere Interviews.

Zu den Unterschieden.

Diese sind teils zwar gering, aber nicht minder von Bedeutung. Inhouse Consultants haben beispielsweise häufig eine geringe Reisetätigkeit. Dies liegt unter anderem daran, dass die Projekte regelmäßig in der Zentrale stattfinden. Falls der Job hin und wieder dann doch mit Dienstreisen verbunden ist, können Inhouse Consultants dabei dann oft selbst entscheiden, ob sie reisen möchten. Auch das trifft jedoch natürlich wieder nicht auf alle zu. Werden auch Tochterunternehmen eines Konzerns mit beraten, oder auch externe Kunden, kann die Reisetätigkeit der der externen Beratung ähneln. Ist dies ein wichtiger Parameter bei der Berufswahl, beispielsweise aufgrund der familiären Situation, sollte man die genauen Anforderungen des potenziellen Arbeitgebers bzgl. der Reisetätigkeit spätestens im Interview konkret ansprechen.

Ein weiterer Unterschied ist, dass auf höheren Karrierelevels, zumindest wenn keine externen Kunden beraten werden, beim Inhouse Consulting die Akquisetätigkeit entfällt. Dieser Fakt ist jedoch mit Vorsicht zu genießen, wenn man mit dem Gedanken spielt, auf einem höheren Karrierelevel in die externe Beratung zu wechseln.

Wir können also feststellen, dass die Unterschiede kaum Einfluss auf die Tätigkeit an sich haben, jedoch eine Rolle bei der eigenen Karriere- und Lebensplanung spielen können.

 

Inhouse Consulting vs. externe Beratung – Mal Partner, mal Konkurrenten, aber immer für dasselbe Ziel

Bei Ausschreibungen für bestimmte Projekte kann es durchaus einmal vorkommen, dass die internen und externen Berater in Konkurrenz zueinander stehen. Manchmal arbeiten sie jedoch auch vom ersten Tag des Projekts an zusammen. Ganz gleich welche Situation vom Unternehmen gewünscht ist, in beiden Fällen übernehmen die Beteiligten ihre jeweiligen Rollen und tragen mit der eigenen Fachkompetenz zum Projekterfolg bei. Ein Besser oder Schlechter gibt es nicht.

 

Inhouse Consulting in der Karriereplanung

Wenn Du als Young Professional bereits drei bis vier Jahre Consulting Erfahrung mitbringst und in einen von Dir favorisierten Konzern wechseln möchtest, ist das Inhouse Consulting definitiv eine Überlegung wert. Eine genaue Karriereplanung ist hier Gold wert. Im Inhouse Consulting kann man Berater bleiben und dennoch mehr oder weniger sesshaft werden, da ja, wie beschrieben, die Reisetätigkeit oft minimiert wird. Selbstverständlich sollte man sich beim potenziellen Arbeitgeber erkundigen, ob man Einfluss auf diese Entscheidung hat. Vor allem Inhouse Consulting Firmen, die nur das eigene Unternehmen beraten, sind außerdem nicht auf vertriebliches Engagement angewiesen, wie es in normalen Beratungsunternehmen der Fall ist. Das kann für den einen oder anderen Berater eine Entlastung darstellen. Im Inhouse Consulting lernt man ein Unternehmen sehr intensiv und in all seinen Facetten kennen anstatt gegebenenfalls viele verschiedene, zeitlich gebundene Projekte bei unterschiedlichen Unternehmen annehmen zu müssen. Natürlich kann es auch bei externer Beratung vorkommen, dass man seine ganze Beraterkarriere bei einem Kunden verbringt, die Regel ist dies jedoch nicht. Eine gewisse Beständigkeit ist diesbezüglich im Inhouse Consulting definitiv eher gegeben, als in der externen Beratung.

 

 

Für die Unentschlossenen

Was für den einen ein Vorteil ist, mag für den anderen ein Nachteil sein. Die persönlichen Vorlieben sind dabei ausschlaggebend. Nichtsdestotrotz kann eine Auflistung der jeweiligen Vorzüge hilfreich sein bei der Entscheidung ob Inhouse Consulting oder externe Beratung das Richtige für Dich ist.

 

Vorteile des Inhouse Consulting für den Berater

  • Eine vertraute, kollegiale Beziehung zum Kunden öffnet die Kommunikation
  • Engere Einbindung in die Umsetzung von Projekten und Strategien
  • Oftmals geringere Reisetätigkeit bei internen Kunden
  • Sprungbrett für eine Linienkarriere im Unternehmen, da man stärker vom Kunden wahrgenommen wird
  • Ganzheitlicher Einblick in die Strukturen und Methoden des Unternehmens
  • Oftmals keine Akquisetätigkeit

 

Vorteile der externen Beratung für den Berater

  • Professionelle Distanz zum Kunden, da die Consulting Kollegen das Team im engeren Sinne sind
  • Nach Beendigung des Projekts gibt ein deutlicherer „Abschluss“ einen spürbareren Start in ein neues Projekt
  • Mehr Reisemöglichkeiten erweitern den fachlichen und möglicherweise auch den kulturellen Horizont
  • Mehrere Projekte in verschiedenen Unternehmen bieten in ebendiesen auch mehrere Sprungbretter in die Linienkarriere
  • Einblicke in die Best Practice Ansätze verschiedener Unternehmen erweitern den fachlichen Horizont
  • Vertriebliches Talent kann entdeckt und/oder gefördert werden

 

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