Kleine vs. große Unternehmensberatung – eine der ersten Entscheidungen

Kleine vs. große Unternehmensberatung – welcher Unternehmenstyp passt am besten zu Dir?

Trotz des vergleichsweisen jungen Alters der Beratungsbranche, gibt es weltweit zahlreiche Beratungsunternehmen in den verschiedensten Größen. Das spiegelt den hohen und gleichzeitig vielseitigen Bedarf an Expertise wider, den die Unternehmen von Beratern in Anspruch nehmen. Wir teilen die Beratungsunternehmen grob in zwei Arten ein und geben hier einen Überblick zu den Unterschieden.

 

Große Unternehmensberatungen als Allrounder

Die Allrounder sind meist Großunternehmen bzw. Beratungskonzerne und agieren weltweit mit mehreren tausend oder zehntausend Mitarbeitern. Dabei decken sie in aller Regel auch alle oder nahezu alle Tätigkeitsfelder, Spezialisierungen und Branchen ab. Die Vorteile, die die Größe und Vielseitigkeit den Unternehmen unter anderem bieten, sind, dass sie damit nahezu jedem Kunden das gesamte Spektrum an Beratungstätigkeit bieten können.

 

Spezialisten mit besonderen Schwerpunkten

Es kommt nicht selten vor, dass Partner oder Senior Manager bekannter Beratungshäuser eine eigene Beratungsfirma gründen, die sich auf bestimmte Themenfelder und Branchen spezialisiert. Viele kleine und mittelständische Unternehmensberatungen sind tatsächlich als Spin-offs großer Unternehmen entstanden.

Alternativ entstehen Beratungsunternehmen auch manchmal aus der akademischen Welt heraus. Professoren nutzen die besonderen wissenschaftlichen Methoden und Kenntnisse aus ihrer Arbeit am Lehrstuhl und verbinden diese dann mit praktischer Projektarbeit am Kunden. So finden wissenschaftliche Erkenntnisse z. B. auch auf schnellem Wege in die Wirtschaft.

Kleinere Unternehmensberatungen sind häufiger auf bestimmte Themenfelder spezialisiert, als Großunternehmen.

Ob diese Spezialisten im Laufe der Zeit dann zu einer Unternehmensgröße von mehreren hundert oder gar tausend Mitarbeitern wachsen, hängt wiederum an verschiedenen Faktoren. Manche Unternehmensgründer bevorzugen eine leichter steuerbare und überschaubare Unternehmensgröße von 30 Mitarbeitern, andere wachsen vielleicht auch rasant, weil ihre wichtigsten Kunden schnell wachsen und einen hohen Bedarf an externen Beratern haben.

Wie stark die Spezialisierung einer Unternehmensberatung ist, hängt vor allem von der Unternehmensgröße ab. Während größere mittelständische Beratungsfirmen sich beispielsweise auf eine bestimmte Branche fokussieren, hierbei jedoch von der Strategieentwicklung bis zur Programmierung von Software alles leisten, sind kleinere Beratungsfirmen als Boutiquen oft sogar noch spezialisierter, etwa wenn sie ausschließlich Strategieentwicklung für nur eine bestimme Branche anbieten.

 

Beratungsschwerpunkte im Wandel

Die Beratungsunternehmen, ob große oder kleinere, passen sich in ihren Beratungsschwerpunkten selbstverständlich dem steten Wandel der Weltwirtschaft an.

Großunternehmen entscheiden sich dabei gegebenenfalls für den Aufbau einer für sie vollständig neuen Practice Group. Das Thema Digitalisierung ist hierfür ein Beispiel. Der Aufbau eines solchen Teams kann dann wiederum dadurch erfolgen, dass sie kleinere, spezialisierte Beratungshäuser aufkaufen und integrieren oder auch ein ganzes Team einer anderen Beratungsfirma übernehmen. Auch ist es gängige Praxis, wie in vielen Branchen, dass kleine oder mittelgroße Spezialisten von großen Beratungshäusern übernommen werden, jedoch mal mehr mal weniger unabhängig eigenständig am Markt unter der eigenen Marke agieren. Für die großen Beratungsunternehmen hat dies den Vorteil, dass sie ihr Portfolio erweitern und somit oft auch hochspezialisierte Fachkräfte übernehmen können, die sie anders am Markt nur schwer bekommen würden. Für die kleineren Unternehmen bestehen Vorteile zum Beispiel darin, dass sie mit einem bekannten Namen im Hintergrund gegebenenfalls einfachere Zugänge zu neuen Kunden erhalten oder auch das bestehende Netzwerk und die Strukturen des großen Unternehmens nutzen können.

 

 

Kleine vs. große Unternehmensberatung – Unternehmensstruktur als Entscheidungshilfe

Ob kleine oder große Unternehmensberatung, für welche Art von Unternehmen Du Dich entscheidest, hängt letzten Endes vor allem von Deinem persönlichen Gusto ab. Eine hohe Beratungsqualität, eine steile Lernkurve und sympathische Kollegen kannst Du definitiv in kleinen wie in großen Häusern finden.

Ein paar größenabhängige Unterschiede, wenn Sie auch gewiss nicht zu 100% und immer gelten, sehen wir jedoch schon.

Ob Generalist oder Boutique – welche Vorteile überwiegen, entscheidet jeder individuell.

In den großen Häusern hat man zu Anfang der Karriere vielleicht noch eher die Möglichkeit in verschiedene Branchen hinein zu schnuppern, bevor man sich für eine entscheidet. Andererseits steht es einem gegebenenfalls auch sofort frei sich hierbei festzulegen. Es gilt zu berücksichtigen, dass sich spätestens nach einigen Projekten ohnehin der Fokus auf eine bestimmte Branche herauskristallisiert.

Selbstverständlich ist das nicht der einzige (größenabhängige) Unterschied zwischen den Beratungsunternehmen. Was für alle anderen Branchen gilt, gilt nämlich auch für Beratungsfirmen – große Unternehmen haben häufig eingeschliffene Prozesse und Strukturen, klar definierte Karrierepfade und entsprechend klar definierte Aufgaben und Verantwortungen je Karrierestufe. Das dies so ist, hängt nicht unbedingt daran, dass kleinere Unternehmen sich nicht vernünftig organisiert bekommen, sondern daran, dass insbesondere ständig wachsende Unternehmen kontinuierlich ihre Prozesse und Strukturen den neuen, größenbedingten Anforderungen anpassen müssen.

Insbesondere die festen Strukturen in Großunternehmen sind jedoch nicht jedermanns Sache. Kleine und mittelgroße Unternehmensberatungen bieten hier mehr Flexibilität. Ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist auch, dass Du hier meist bessere Chancen hast, gegenüber der Geschäftsleitung visibel zu sein und von dieser direktes Feedback für herausragende Leistungen einzusammeln. Da die Strukturen und Prozesse in diesen mittelständischen Beratungsfirmen und Boutiquen noch nicht ganz fest bzw. nicht vollständig festgeschrieben sind, hast Du außerdem eher die Möglichkeit das Unternehmen an sich mitzugestalten. Auch wenn die Hierarchiestufen im Consulting durch die gesamte Branche wiederum sehr ähnlich sind, kann sich der Karriereweg in Großunternehmen und Boutiquen stark unterscheiden. Und klar ist eben auch, die Daumenregel bezüglich Strukturen, Mitgestaltungsspielräumen etc. gilt bei Weitem nicht immer. Für welche Art von Unternehmen Du Dich also entscheidest, hängt eben einfach von Deinen eigenen Präferenzen ab. So entscheiden sich manche nicht nach der Größe der Unternehmen, sondern nach den angebotenen Beratungsfeldern oder den beratenen Branchen. Auch ist die externe Beratung mit einem in der Regel sehr hohen Reiseanteil und in höheren Karrierestufen notwendigen Vertriebstätigkeit nicht jedermanns Sache. In diesem Fall würde sich dann alternativ auch das Inhouse Consulting anbieten. In welchen Facetten sich dieses von der externen Beratung unterscheidet, erfährst Du hier.

 

Unser Insider-Tipp

„Ein sehr wichtiger Punkt aus unserer Sicht, wenn nicht sogar der wichtigste, ist natürlich, dass es menschlich passen muss. In der Regel verbringt man im Consulting weitaus mehr als 40 Stunden in der Woche mit seinen Kollegen, häufig auch noch an anderen Orten als dem eigenen Heimatort. Deshalb gilt es, im Interview sehr genau darauf zu achten, mit wem man spricht. Und sich durchaus z. B. die Frage zu stellen: „Wenn ich mit meinem Gegenüber ab heute Abend für 6 Monate für ein Projekt in London arbeiten müsste, würde das gut klappen?“ Nicht umsonst veranstalten sowohl kleine, als auch große Unternehmensberatungen teilweise eine Vielzahl von Interviews mit einem Kandidaten, bevor sie sich für oder gegen ihn entscheiden. Denn auch sie wollen, dass der potenzielle neue Kollege nicht nur mit seinen Fähigkeiten und seinem Wissen, sondern auch mit seinem Charakter und seinem Mindset in die Company passt.“

 

Das könnte Dich auch interessieren:

Inhouse Consulting vs. externe Beratung – von den Präferenzen hängt es ab

Spezialisierung im Consulting – die eigenen Stärken entscheiden mit

Warum Unternehmensberatung – 5 gute Gründe für den Einstieg ins Consulting

Anforderungen an Unternehmensberater – Hard Facts und Soft Skills, aber auch die Attitüde zählen

Bewerbung im Consulting – auf die richtige Vorbereitung kommt es an