Der Ausstieg aus der Beratung – 7 Optionen für den Exit

Bei Weitem nicht jeder, der als Junior Consultant oder auch als Young Professional einmal in ein Beratungsunternehmen eingestiegen ist, wird dort auch für immer bleiben. Unternehmensberatern mit einer gewissen Zeit an Berufserfahrung bieten sich aufgrund ihres Knowhows und ihrer breiten Erfahrungen zahlreiche Möglichkeiten.  Der Wechsel oder der Ausstieg aus der Beratung bedeuten aber bei keiner der Optionen, dass man bei null anfangen muss, ganz gleich ob man das Unternehmen wechselt oder den Schritt in die Selbstständigkeit wagt.

Das erworbene Wissen eines Consulting Professionals bildet in jedem Fall eine solide Basis für das neue Karriereziel. Auch Unternehmen außerhalb der Consultingbranche schätzen das. So sind die Optionen, die man nach einigen Jahren Berufserfahrung hat, sehr breit gefächert.

 

Der Wechsel zum Kunden oder in eine andere Unternehmensberatung sind die offensichtlichsten Optionen, aber nicht die einzigen

 

Option 1 – Der Wechsel zum Kunden oder in ein anderes Nicht-Consulting-Unternehmen

Die häufigste und offensichtlichste Alternative ist der Wechsel zum Kunden. Gerade bei langfristigen Projekten und guter Arbeitsleistung, kommt es oft vor, dass man früher oder später ein direktes Einstiegsangebot vom Kunden erhält. Für ihn bedeutet eine Anwerbung des Consultants oftmals, dass er weniger Kosten hat und gleichzeitig auch das Risiko senkt, seinen geschätzten Berater und dessen Knowhow an ein neues Projekt zu verlieren.

Kommt kein aktives Angebot vom Kunden, kann man natürlich auch in einem informellen Gespräch ausloten, wie die Möglichkeiten für einen Umstieg stehen. Ein wenig Vorsicht ist bei diesem Ansatz jedoch geboten, da die eigene Anfrage im ungünstigen Fall auch ebenso informell an den eigenen Vorgesetzten weitergeleitet werden kann.

Auch wenn das Netzwerk an vergangenen Kunden oder der aktuelle Kunde eine naheliegende Option sind, so braucht man sich als Professional Consultant nicht zu scheuen, sich auch aktiv bei anderen Unternehmen zu bewerben. Je nachdem, wie lange man zuvor als Berater tätig war und wo die Schwerpunkte lagen, gibt es für den Berater als Generalisten verschiedene Alternativen.

Hat man sich während seiner Beraterkarriere viel mit strategischen Themen beschäftigt, bietet sich der Wechsel in die Konzernentwicklung als Ausstieg aus der Beratung an.

Berater mit den Schwerpunkten Projektmanagement oder Prozessmanagement finden solcherlei Abteilungen heute in der Regel auch in den meisten großen Unternehmen.

Die Rolle des COO ist, abhängig von der Länge der eigenen Berufserfahrung und der Größe des gewünschten Arbeitgeberunternehmens auch eine geeignete Position für ehemalige Berater mit dem Schwerpunkt Prozesse & Organisation.

Hat man noch nicht zu viele Stufen auf der Karriereleiter einer Beratung erklommen, bietet sich zum Ausstieg aus der Beratung auch eine Stelle als Vorstandsassistenz an. Bei diesen Stellen geht es natürlich nicht um Sekretariatsaufgaben. Als rechte Hand eines Vorstands oder Geschäftsführers verantwortet man oft strategisch wichtige Projekte oder managt schwierige Sonderthemen. Man sollte sich jedoch auch nicht zu fein dafür sein, gegebenenfalls regelmäßig für seinen Chef die Hemden aus der Reinigung zu holen.

Hat man bereits während seiner Beraterlaufbahn als Spezialist gearbeitet, lohnt es sich, in diesem, oder einem ähnlichen Bereich eine Stelle zu suchen.

Option 2 – Ein anderes Consulting Unternehmen

Diese Option ist ungefähr genauso naheliegend wie der Einstieg ins Kundenunternehmen. Viele Consultants wechseln im Laufe ihrer Karriere das Beratungsunternehmen. Gründe hierfür können beispielsweise sein, dass man bei seinem alten Arbeitgeber zu sehr an einen Kunden gebunden ist, oder das Gefühl hat, dort keine weiteren Karriereschritte gehen zu können.

Inhouse Consulting Unternehmen bedeuten oftmals eine geringere Reisetätigkeit und sind deshalb für einige Consultants eine echte Alternative ohne Branchenwechsel.

Wer seinen Ausstieg aus der Beratung plant, sollte in jedem Fall vorher genau überlegen, was seine tatsächlichen Beweggründe dafür sind. Liegen die Gründe z.B. in der Struktur oder dem Management des aktuellen Arbeitgebers, kann der Wechsel in ein anderes Beratungsunternehmen der richtige Schritt sein. Liegen die Gründe jedoch in der Tätigkeit als Consultant an sich, wird der Wechsel langfristig keine Verbesserung bringen.

 

Auch der Wechsel in die Selbstständigkeit bietet sich in verschiedenen Facetten an

 

Option 3 – Ein Start-Up gründen oder in eines einsteigen

Viele Erfahrungen aus der Tätigkeit als Unternehmensberater sind hilfreich, wenn es darum geht, ein Unternehmen neu zu gründen. Möchte man sich von vorgegebenen Strukturen lösen und etwas komplett Neues aufbauen, bietet sich das (Mit-) Gründen bzw. der Wechsel in ein Start-Up an. Das Netzwerk, das man sich über Jahre als Berater aufgebaut hat, kann auch hier Gold wert sein. Wer diesen Schritt als Ausstieg aus der Beratung wählt, braucht sich in der Regel aber keine Sorgen zu machen, dass er plötzlich weniger zu tun hat, als in seinem alten Job.

 

Option 4 – Ein Beratungsunternehmen gründen oder als Freelancer arbeiten

Wer sich selbstständig machen möchte und gleichzeitig gerne als Berater tätig ist, dem eröffnen sich verschiedene Möglichkeiten. Allen gemein ist, dass man sinnvollerweise bereits einige Jahre Berufserfahrung mitbringt. Der Vorteil der Gründung mit weiteren Partnern liegt vor allem in der Risikoreduktion bei fehlender Auslastung und dem größeren gemeinsamen Netzwerk. Wer lieber nur sich selbst gegenüber Rechenschaft ablegt und sich auch nicht mit dem Thema Personalführung beschäftigen möchte, der kann auch den Schritt zum Freelancer wagen.

 

Option 5 – Der Wechsel in ein Private Equity oder Venture Capital Unternehmen

Wer bereits im Laufe seiner Beraterkarriere „sehr zahlenlastig unterwegs war“, viele Business Cases gerechnet und Unternehmensbewertungen durchgeführt hat, dem bietet sich der Weg in eine Investment Firma an. Namhafte Venture Capital- und Private Equity Unternehmen rekrutieren aufgrund ihrer Erfahrungen und ihrer Arbeitsweise gerne ehemalige Berater oder Investment Banker. Es sei jedoch an dieser Stelle erwähnt, dass die Chancen für diese Option höher sind, wenn man zuvor in einer der großen Strategieberatungen tätig war.

 

Option 6 – Der Wechsel ins Investment Banking

Hier gelten die gleichen Grundvoraussetzungen, wie unter Option 5. Wer als Ausstieg aus der Beratung den Einstieg ins Investment Banking wählt, sollte sich allerdings darüber in Klaren sein, dass zwar die Reisetätigkeit sinken, die Anzahl der wöchentlichen Arbeitsstunden jedoch tendenziell eher steigen wird.

 

Option 7 – MBA oder Promotion als Auszeit oder Zwischenschritt zum nächsten Job

Bei einigen Unternehmensberatungen gehört ein MBA oder eine Promotion während der ersten Beraterjahre fest zum Karriereplan. Viele Consulting Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern darüber hinaus heute monetäre Unterstützung für universitäre Aus- und Weiterbildungen an.

Wer eine Auszeit von der Unternehmensberatung sucht, egal, ob er danach weiter als Berater tätig sein will oder nicht, kann einen MBA oder eine Promotion in Erwägung ziehen. Der eigene Marktwert steigt durch die zusätzliche akademische Qualifikation und man hat die Zeit und den nötigen Abstand, um sich genauere Gedanken zum nächsten Karriereschritt zu machen.

 

Der Ausstieg aus der Beratung gelingt, wenn Beweggründe und die eigenen Stärken klar sind

 

Für einen Ausstieg aus der Beratung bieten sich durchaus einige Möglichkeiten. Wichtig ist, sich konkrete Gedanken darüber zu machen, warum man seinen Arbeitgeber wechseln möchte bzw. den Weg in die Selbstständigkeit sucht, welche Stärken man hat und welche Tätigkeiten einen am meisten erfüllen.

Darüber hinaus gilt natürlich auch, dass man bei seinem aktuellen Arbeitgeber am besten „die Tür möglichst leise schließt“. Zum einen ganz generell gesprochen, da man sich oft zweimal im Leben trifft. Zum anderen, da man als erfolgreicher Berater bei einem Abschied im Guten auch oft die Option mitnimmt, zurückkehren zu können.

 

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